Allergische Reaktion
Überempfindlichkeitsreaktionen unterscheiden sich grundsätzlich nicht von ›normalen‹ Immunreaktionen. Sie zeigen dennoch einen gesteigerten, unzweckmäßigen Ablauf. Die allergischen Abwehrreaktionen führen in der Regel zu einer Gewebeschädigung trotz der Aufgabe des Immunsystems, den Organismus vor ebensolchen Schädigungen zu schützen. Eine Allergie-Erkrankung entsteht durch die Konfrontation des Körpers mit Allergenen nach einer ›Sensibilisierung‹. Also ist eine Allgerische Reaktion eine übtriebene Abwerreaktion des Immunssyst auf Allergene. Eine allergische Reaktion äussert sich häufig mit entzündungsähnlichen Symptomen.
Sensibilisierung heißt, dass der Organismus nach dem ersten Kontakt mit einem Allergen Antikörper bildet (Erstkontakt). Kommt der Körper erneut mit dem Antigen zusammen, führt dies zu einem Zustand gesteigerter Reaktivität bzw. spezifischer Überempfindlichkeit.
Eine allergisch Reaktion kann nach Coombs und Gell in verschiedene Typen eingeteilt werden.
Allergische Reaktion Typ 1: Anaphylaktische Reaktion (Sofortreaktion)
Die Anaphylaktische Reaktion oder auch allergische Reaktion vom Soforttyp ist die wichtigste und häufigste Überempfindlichkeitsreaktion. Das Wort Anaphylaxie kommt aus dem Griechischen und bedeutet ›überstarke fehlgeleitete Schutzfunktion‹.
Bei diesem Typ wird von den Plasmazellen bei einem Erstkontakt Immunglobulin der Klasse E (IgE) gegen das Allergen gebildet. Im Serum findet man eine IgE-Konzentration von circa 0,06– 0,09 mg / 0,1 ml. IgE bindet sich mit dem komplementbindenden Fragment an Gewebemastzellen und basophile Granulozyten, die meist in sowie unter den Schleimhäuten (Nase, Atemwege, Augen, etc.) vorhanden sind. Die beiden antigenbindenden Fragmente der Antikörper bleiben frei. Kommt es nun zu einem wiederholten Kontakt mit dem Allergen, wird es an die zellfixierten Antikörper gebunden.
Diese Vernetzung führt zur Freisetzung sogenannter Mediatoren aus den Mastzellen und aus den basophilen Granulozyten. Die Mediatorsubstanzen sind für die Symptome, die Sekunden bis Minuten nach Antigenkontakt einsetzen, verantwortlich. Klinische Beispiele für diesen Soforttyp sind Anaphylaxie, allergene Rhinitis, Asthma bronchiale, Urtikaria, Quincke-Ödem oder atopisches Ekzem.
Allergische Reaktion Typ 2: Zytotoxische Überempfindlichkeit
Das Auftreten einer zytotoxischen1 Überemfindlichkeit ist eher selten. Dabei sind Antikörper gegen Oberflächen-Antigene von körpereigenen Zellen gerichtet. Es bildet sich ein Komplex aus Antikörpern und Antigenen (körpereigene Zellen), der durch weitere Mechanismen des Immunsystems entsorgt wird. Dazu gehört die Bindung des Antigen-Antikörper-Komplexes an natürliche Killerzellen mit einer anschließenden Lyse, die Phagozytose durch körpereigene Zellen und die Zerstörung des Antigens durch Aktivierung des Komplementsystems. Krankheitsbilder wie hämolytische Anämie und Agranulozytose sind darauf zurückzuführen.
Allergische Reaktion Typ 3: Immunkomplexe
Normalerweise laufen bei der spezifischen Abwehr eine Reihe von Vorgängen ab, die mit der Bildung von Antigen-Antikörper-Komplexen (Immunkomplexen) beginnen und in der Regel durch die Auflösung der Immunkomplexe und die Elimination des Antigens beendet werden. In bestimmten Fällen verläuft die zuletzt genannte Reaktion in übersteigerter Form ab, was zu gewebeschädigenden Entzündungsreaktionen führen kann. Durch Immunkomplexe, die im Gewebe abgelagert werden, kann eine Aktivierung des Komplementsystems ausgelöst werden.
Es werden Mediatoren freigesetzt, die die Blutgefäßpermeabilität erhöhen, die Ablagerung weiterer Immunkomplexe fördern und anziehend auf weitere Granulozyten wirken. Die Granulozyten bewirken ihrerseits eine Gefäß- und Gewebeschädigung und wiederum eine Freisetzung von Mediatorsubstanzen.
Komplement kann durch direkte Zell-Lyse ebenfalls zellschädigend wirken. Die Bedingungen, wodurch und wann ein abgelagerter Immunkomplex des Komplementsystems aktiviert wird, sind noch nicht genau bekannt. Als Beispiel für Typ 3 der immunologischen Reaktionen können Serumkrankheit, Anaphylaxie, Urtikaria und Nephritis genannt werden.
Allergische Reaktion Typ 4: Zelluläre Überempfindlichkeit (Spätreaktion)
Die zelluläre Überempfindlichkeit oder auch Allergie vom Spättyp ist neben der Soforttypallergie die bekannteste Überempfindlichkeitsreaktion. Sie wird vom spezifischen zellulären Abwehrsystem ausgelöst.
1 zytotxisch = giftig bezüglich Zellaufbau oder Zellfunktion
Tritt eine T-Zelle mit einem Allergen erstmals in Kontakt, so wird diese aktiviert. Bei folgenden Allergen-Kontakten wird in der T-Zelle eine Freisetzung von Lymphokinen ausgelöst. Die Lymphokine sind verantwortlich für Gefäßveränderungen und somit auch für die Entstehung von Entzündungsreaktionen. Etwa 24 –48 Stunden nach einem Antigen-Kontakt tritt diese allergische Reaktion auf. Allergisches Kontaktekzem und Arzneimittelexantheme sind typische Krankheitsbilder.
Allergische Reaktion Typ 5: Granulomatöse Immunreaktion / Typ 6: Krankmachende Immunreaktion
Typ 5 und 6 wurden erst in neuerer Zeit der Klassifikation pathologischer Immunreaktionen hinzugefügt. Im Typ 5 werden alle granulomatösen Reaktionen zusammengefasst. Krankmachende Immunreaktionen des Typ 6 sind bei Diebschlag (56) beschrieben. In der Praxis ist es oft schwierig, die Typen 1 bis 6 voneinander abzugrenzen.

